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Notizen Kant

 “Sapere aude!
Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung frei gesprochen (naturaliter maiorennes),
dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben;
und warum es Anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen.
Es ist so bequem, unmündig zu sein....”

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manfred herok©2005-10

Was ist Aufklärung?

Nach Kant der »der Ausgang des
Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen.«1)

Verstand ohne Leitung eines anderen ist für Kant, der von der Vernunft geleitete Verstand.
Der Verstand selbst fügt vermöge der eigenen Konsequenz die einzelnen Erkenntnisse zu einem System.
So ist er Vernunft, die den Verstand zum Gegenstand hat: »Die Vernunft hat ... nur den Verstand und dessen zweckmäßige Anstellung zum Gegenstande.«2)

Die Vernunft setzt »eine gewisse kollektive Einheit zum Ziele der Verstandeshandlungen« 3) :
das System.

Das ist die Rationalität der Aufklärung,
»daß man ... sowohl im Aufsteigen zu höheren
Gattungen, als im Herabsteigen zu niederen Arten,
den systematischen Zusammenhang vollende«4)

Das Hierarchische-Systematische der Erkenntnis ist »der Zusammenhang derselben aus einem Prinzip« 5)

Ebenso wie bei Descartes, Leibniz, Fichte, Schelling  und Hegel, wenn auch (noch) nicht bei jedem in gleicher Konsequenz, ist das Systematische der Erkenntnis, die transzendentale Anweisung zum hierachischen Aufbau der Begriffe.

Der Aufklärung, im Sinne Kants, ist das unvernünftige Denken, das sich willkürlich auf andere Ziele der Menschen berufen wollte, - auf das menschenfreundliche Gefühl etwa - und sich dabei die grösste philosophische Mühe gäbe, letztendlich Lüge, Wahn und Rationalisierung der Unvernunft.
Die Vernunft ist »ein Vermögen ..., das Besondere aus dem Allgemeinen abzuleiten«6).

Hegel widerspricht dem nicht.
Kant ist nicht etwa zu konsequent-rigorös in seiner “Vernunfteinseitigkeit”, sondern im Gegenteil:
Kant lässt verstandeseinseitig sowohl die wirklichen geschichtlichen Erscheinungen der relativen Vernunft (“besondere Allgemeinheiten”, wie “Volksgeister” oder reelle Positionen des Gewissen...) wie auch Reflexionsbestimmungen und letztlich und zuerst das “Ding-an-sich” unbegriffen aussen vor.
Kant geht nicht zu weit; er geht, in seinem eigenen Sinne, nicht weit genug.

(Darum erfasst Kant in seiner Lehre nicht, wie das Absolute durch Reflexion/Negation je unmittelbar real erscheint.)

(Manfred Herok 2007)

 

1 Kant, Beantwortung der Frage: Was ist Aufklä-rung?
Kants Werke. Akademie-Ausgabe. Band VIII. Berlin 1912. S. 35.

2 Kant, Kritik der reinen Vernunft (2. Aufl.) a.a.O.
Band III. Berlin 1911. S. 427.

3 A.a.O.

4 A.a.O. S. 435f.

5 A.a.O. S. 428.

6  A.a.O. S. 429.

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